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Hautpflege zur Prophylaxe von Dekubitus

Cremes, Lotionen oder Salben können einen Dekubitus nicht verhindern. Bei der Pflege dekubitusgefährdeter Haut gibt es dennoch einiges zu beachten. Denn: Ist die Haut erst einmal aufgeweicht, wird sie nicht nur anfälliger für Druckgeschwüre, sondern auch für Infektionen. Die nachfolgenden Tipps helfen Pflegenden, das Wundliegen zu verhindern.

Foto: picture alliance/imageBROKER

 

Ein Dekubitus entsteht vor allem durch zu starken und langen Druck. Etwa, wenn ein Körperteil zu lange auf einer Stelle liegt und nicht bewegt wird – was beispielsweise oft bei in der Mobilität eingeschränkten oder bettlägerigen Patienten vorkommt. Was in diesem Fall passiert: Auf harten Unterlagen (Matratzen) wirkt ein starker, punktueller Druck (von außen) auf den Körper ein, die versorgenden Blutgefäße werden zusammengedrückt, das Gewebe kann nicht mehr richtig durchblutet werden und die Haut wird geschädigt.

Dekubitus durch Scherung

Druckgeschwüre können auch durch Scherkräfte entstehen. In der Medizin beschreibt „Scherung“ die Verschiebung verschiedener Hautschichten gegeneinander – was etwa beim Lagern oder Umdrehen des Patienten passieren kann. Bei der Scherung verwickeln sich die Blutgefäße ineinander und die Blutzirkulation wird unterbrochen.

Um einen Dekubitus vorzubeugen, ist es daher unerlässlich, den Menschen, der gepflegt werden muss, regelmäßig zu bewegen beziehungsweise umzulagern und den Druck besser zu verteilen. Außerdem sollten Sie darauf achten, dass die Haut nicht aufweicht und/oder erweicht. Dies passiert beispielsweise, wenn sie zu feucht ist. Die Folge: Die Epidermisquillt weißlich auf. Kommt es nun zur Reibung, können sich die aufgeweichten Stellen lösen und es entsteht eine oberflächliche, oft juckende Wunde. Ärzte nennen solche durch Feuchtigkeit entstandenen Verletzungen auch Mazeration.

Wir zeigen Ihnen, worauf Sie bei der Körperpflege eines bettlägerigen und/oder immobilen Menschen achten sollten.

Damit die Haut nicht aufweicht …

  • Verzichten Sie auf stark fettende Feuchtigkeitscremes und tragen Sie die Creme nicht zu dick auf.
  • Denken Sie daran, das Zimmer des bettlägerigen Patienten regelmäßig zu lüften.
  • Schwitzt der Betroffene, wechseln Sie möglichst schnell die Bettwäsche.
  • Legen Sie bei Hautfalten, die schnell feucht werden, sogenannte (Saug-)Kompressen an – also besonders saugfähige Verbände.
  • Hat der Betroffene eine Blasenschwäche, verzichten Sie wenn möglich auf Gummilaken und verwenden Sie stattdessen waschbare und atmungsaktive Bettschutzeinlagen.
  • Denken Sie daran, die Inkontinenzartikel regelmäßig zu erneuern.
  • Verwenden Sie eine Matratze, die Feuchtigkeit absorbiert und Nachtwäsche, die atmungsaktiv ist.
  • Ein Wellenprofil auf der Matratzenoberfläche verbessert den Luft- und Flüssigkeitsaustausch. Außerdem machen die Wellen die Matratze weicher und schützen damit empfindliche Körperstellen wie Fersen, Ellenbogen und Schulterblätter.
  • Gut sind auch sogenannte Anti-Dekubitus-Matratzen. Sie sind so konzipiert, dass sie den Druck auf die gefährdeten Hautstellen mindern – entweder, indem sie den Druck der gefährdeten Körperzonen auf eine größere Auflagefläche verteilen oder indem sie dafür sorgen, dass der Druck auf eine Haustelle jeweils nur für einen kurzen Zeitraum besteht.

Wichtig! Anti-Dekubitus-Matratzen beugen zwar Druckgeschwüren vor, ersetzen jedoch nicht das Umlagern.

Worauf Sie beim Waschen achten sollten …

  • Wasser greift immer auch den natürlichen Schutzmantel der Haut an. Waschen Sie den Betroffenen daher nicht zu häufig und nicht routinemäßig täglich.
  • Warmes Wasser schädigt die Haut stärker als kaltes. Der Grund: Es entzieht der Haut Feuchtigkeit und trocknet sie schneller aus. Verwenden Sie daher auch mal kühles Wasser.
  • Verzichten Sie wenn möglich auf Waschzusätze oder dosieren Sie diese sparsam. Ist der Betroffene stark verunreinigt (etwa, weil er seinen Urin nicht halten konnte), benutzen Sie am besten flüssige und pH-neutrale Substanzen – hier gibt es auch spezielle Pflegeprodukte für Menschen mit Inkontinenz.
  • Ist die Haut spröde und trocken, können Ölbäder helfen. Achten Sie jedoch darauf, dass sich das Öl mit dem Wasser gut mischt, nutzen Sie also Wasser-in-Öl-Produkte (W/O). Schwimmt das Öl nur auf der Oberfläche, hilft das der Haut wenig.

Eine Frage des Hauttyps: mehr Wasser oder mehr Öl

Das Hautpflegeprodukt muss zu der Haut des Patienten passen. Die Faustregel: Je trockener die Haut, desto höher sollte auch der Fettgehalt der Creme sein.

  1. Für normale bis trockene Haut eignen sich Cremes mit einem geringen Wasseranteil, sogenannte Wasser-in-Öl-Emulsionen (W/O-Präparate). Solche Lotionen überziehen die Haut mit einem schützenden Fett-Wassermantel und verhindern, dass sie austrocknet. Durch das in der Creme enthaltene Wasser kann die Haut auch weiter Schweiß und Wärme abgeben.
  2. Ist die Haut fettig, braucht es in der Regel Pflegeprodukte, bei denen nicht der Öl-, sondern der Wasseranteil überwiegt, sogenannte Öl-in-Wasser-Emulsionen (O/W-Präparate). Bei ihnen kann das Wasser rasch in die oberste Hautschicht eindringen. Die Folge: Die Epidermis quillt leicht auf, die Hautoberfläche vergrößert sich, die Haut gibt automatisch mehr Feuchtigkeit ab und wird trockner.

Was die Haut nicht gegen einen Dekubitus schützt ….

  • Zinksalbe: Die weiße Paste hat eine antiseptische (desinfizierende) und wundheilungsfördernde Wirkung. Zur Prophylaxe nützt sie jedoch wenig. Ist die Haut noch intakt, trocknet das Zinkoxid sie nur unnötig aus. Außerdem deckt die Salbe die Haut optisch ab und dann lässt sich die Haut nicht mehr beobachten.
  • „Eisen und Föhnen“: Der Wechsel zwischen kalt (mit Eis Einreiben) und warm (Föhnen) soll die Blut­zirkulation im Gewebe anregen. Das ist jedoch nicht der Fall. Allein das Einreiben mit Eis kann die Haut schädigen und das anschließende Föhnen trocknet die Haut unnötig aus.
  • Franzbranntwein: Das Einreiben mit Alkohol fördert die Durchblutung ebenfalls nicht, sondern trocknet die Haut aus.
  • Melkfett, Vaseline und Babyöl: Solche reinen Fettprodukte sollen die Haut vor dem Austrockenen schützen.Tatsächlich dichten sie die Poren der Epidermis lediglich ab und verhindern damit den Wärmeaustausch. In Melkfett und Vaseline befinden sich außerdem häufig unerwünschte Zusätze von Antibiotika oder Desinfektionsmittel.

Der Beitrag ist auf Grundlage der Informationen des Instituts für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung (IGAP) entstanden.